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Cannabis-Therapie in der Gesellschaft

Hallo @all,

als Cannabis-Patient erlebe ich immer öfter zum Teil spannende Situationen mit meinen Mitmenschen. Generell versuche ich, die Anwendung privat zu machen, aber wenn ich zum Beispiel bei Freunden unterwegs bin, dort auch übernachte, muss man manchmal flexibel sein. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass andere Menschen eigentlich sehr positiv auf diese Form der Medikation reagieren, sollte es einmal zur Sprache kommen. Meistens ergibt sich daraus ein nettes Gespräch o.ä. Diese Form der Behandlung scheint durchwegs akzeptiert zu sein, wahrscheinlich weil Cannabis generell ein sehr präsentes Thema ist.

Ich wohne in Hamburg und war letztens bei einem Freund im bayerischen Bad Tölz zu Besuch und es kam mir so vor, als müsse ich mich stets rechtfertigen, warum ich die pflanzliche Medizin vorziehe. Das kann natürlich nur mein Eindruck gewesen sein und mich würde interessieren, welche Erfahrungen ihr als Patienten in der Gesellschaft so macht bzw. gemacht habt?

Viele Grüße

 

 

Semsibaer und Mini haben auf diesen Beitrag reagiert.
SemsibaerMini

Hallo Mario10

  • Ich verwendet Cannabis seit 2017 gegen meine chronischen Schmerzen und habe  überwiegend positive Erfahrungen mit Passanten gemacht. Und das obwohl ich in Bayern wohne. Muss aber dazu sagen, dass es eine Studentenstadt ist. Ich kann mir vorstellen, dass Leute auf dem Land skeptischer sind. Gehe selbst sehr offen damit rum aber halte die Einnahme diskret. Bin hin und wieder in der Öffentlichkeit auf meinen Mighty angesprochen worden und wurde gefragt, was dass für ein Gerät sei. Wegen dem Geruch hat sich aber noch keiner bei mir beschwert. Meist ergibt sich ein nettes Gespräch,was finde ich eine gute Gelegenheit ist um über medizinisches Cannabis aufzuklären :) Mittlerweile nehme ich Cannabis überwiegend oral als Keks ein. Das geht komplett under cover, spare mir einige Inhalation en am Tag und habe eine längere und konstantere Schmerzlinderung.
  • Einige meiner Freunde waren jedoch skeptisch und bei manchen hatte ich auch das Gefühl mich rechtfertigen zu müssen obwohl sie zum Teil selbst erkrankt sind z.B. an ADHS, aber lieber Ritalin einnehmen. Überwiegend reagieren auch meine Freunde positiv. Meist haben sie sich eher Sorgen gemacht, weil ich in der Anfangsphase meine anderen Medikamente parallel zu Cannabis weiter genommen und auch vorher schon starke Nebenwirkungen nicht nur von THC hatte. Ich bin froh, dass ich heute mit Cannabis alleine klar komme und kaum noch an Nebenwirkungen leide.
  • Eine sehr extreme Einstellung hat dagegen leider meine Familie, was kulturell bedingt ist. Ich komme aus einer chinesischen Einwandererfamilie und sehe bald keine Lösung mehr als den Kontakt weitesgehend abzubrechen. Versuche seit fast 4 Jahren zu erklären, dass Cannabis meine Medizin ist, ich vier konventionelle Medikamente dadurch ersetzen konnte und sogar meine Dosis über die Jahre verringert habe, weil meine Schmerzen kontinuierlich abgenommen haben. Meiner Mama ist damals sogar direkt aufgefallen, dass sich mein Hautbild stark gebessert hat nach Absetzen von Naproxen, Omeprazol, Amitriptylin und Hydromorphon. Leider wird mein Medikament noch heute mit Zigaretten verglichen, wenn eine Diskussion dazu entsteht. Die extremste Einstellung hat mein Bruder, der nach seiner Verbeamtung für seine juristische Ausbildung jeden Kontakt zu mir meidet aus Angst um seinen Job. Leider wirf meine Familie medizinisches Cannabis und Freizeitcannabis in einen Topf. Ich fühle mich sehr diskriminiert.

Mich würden auch eure Erfahrungen interessieren. Vorallem beim familiären Umfeld freue ich mich über Austausch.

Viele Grüße

Mini

Jetenergie und Semsibaer haben auf diesen Beitrag reagiert.
JetenergieSemsibaer

Hi Mini,

meine Eltern tun sich auch sehr schwer im bayerischen Kleinstädtchen und sehen Cannabis als gefährliche Droge an. Ich vermute, da spielt auch viel Unwissen mit rein, beispielsweise darüber, welches Gefährdungspotential von Cannabis ausgeht im Vergleich zu anderen illegalen Drogen.

Meine Eltern meinen es auf jeden Fall nur gut und ich vermute, wenn ich noch ein paar Mal in den Medien erscheine mit einem Beitrag wird sich das weiter bessern. Persönlicher Austausch über das Thema Medizinal-Cannabis fand bisher kaum statt, wird irgendwie totgeschwiegen wie mir scheint.

Wichtig ist in erster Linie, dass es UNS damit gut geht - auch wenn ich nachvollziehen kann, wie Dich die Situation belastet.

 

Semsibaer und Mini haben auf diesen Beitrag reagiert.
SemsibaerMini
Viele Grüße, Daniela aka Wonder Woman | www.bdcan.de

Hallo ... ich bin corona-betroffener. Und muss als in Bayern aufgewachsener fast lachen, weil ich gerade auch selbst im tiefsten Bayern auf Reha bezüglich meiner „ms“ bin.

ich mach mir keine Illusionen mehr, dass hier ein schneller Wandel stattfinden wird. Ich fahr mit meinem Rollstuhl jedesmal einen bogen um die Tabak-Raucher-klicke hier ums Eck lol

das geht nicht richtig zusammen. Es wird nach aussen zwar immer Toleranz geäußert, ich spüre unterschwellig aber definitiv von vielen Seiten die ablehnung.

Patienten, die mich anfangs offen begrüßten und mal mitbekommen hatten, dass ich „dampfe“, sahen mich auf einmal nicht einmal mehr an, bzw. taten so, als ob sie mich nicht sahen/hörten.

Der Oberarzt der Klinik war zunächst offen und tolerant,  verbat mir aber nach Beschwerden von Zimmernachbarn, das gelegentliche inhalieren auf dem Balkon. (Weil ich ein oder zweimal täglich im Winter auf dem Balkon meines Zimmers rauchte)

Zitat von Yoga Suite am 21/03/2021, 12:50 Uhr

Der Oberarzt der Klinik war zunächst offen und tolerant,  verbat mir aber nach Beschwerden von Zimmernachbarn, das gelegentliche inhalieren auf dem Balkon. (Weil ich ein oder zweimal täglich im Winter auf dem Balkon meines Zimmers rauchte)

Das höre und lese ich immer wieder von Patient:innen, bei denen eine stationäre Therapie ansteht.

Oft lehnen die Kliniken von vorne rein eine Behandlung ab oder bieten diese nur noch Umstellung auf alternative Arzneimittel an.

Teils sind Betroffene nach Anreise auch wieder abgereist, weil vor Ort keine Lösung gefunden wurde, um ihnen die Nutzung von Cannabis-Blüten zu ermöglichen.

Viele Grüße, Daniela aka Wonder Woman | www.bdcan.de

Hi,

also ich kann Eure negativen Erfahrungen nicht teilen. Bei mir waren bisher alle Ärzte und Pfleger aufgeschlossen.Dies war in zwei Uni Kliniken und einem Krankenhaus. Das Personal ließ mich auf dem Zimmer Dampfen, was mir eher peinlich ob des Geruches war. So bin ich dann lieber mit dem Rolli an die Luft gefahren.

 

Bleibt gesund!
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