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Cannabis bei Erkältung? Ein zweischneidiges Schwert!

Cannabis bei Erkältung? Ein zweischneidiges Schwert!

Man glaubt es kaum, aber der Herbst neigt sich langsam dem Ende zu! Und auch in diesem Winter werden wieder die typischen Erkältungswellen umgehen: Die Temperaturen sinken langsam und man verbringt wieder mehr Zeit gemeinsam in geschlossenen Räumen, da bleibt eine Infektion nicht aus. Als Cannabispatient stellt man sich nun häufig die Frage: Hilft Cannabis meinem Körper gegen die Symptome einer Erkältung? Oder sollte ich während einer Erkältung lieber die Medikation auf ein absolutes Minimum reduzieren, um den Heilungsprozess meines Körpers nicht zu stören? Tatsächlich ist die Antwort auf diese Frage gar nicht so einfach und hängt mit vielen verschiedenen Faktoren zusammen, auf die wir im folgenden Text eingehen.

Abb 1 So schön der Herbst auch sein mag: Das kalte, oft nasse Wetter führt zu regelrechten Erkältungswellen.

Die Symptome einer Erkältung im Verlauf

Um zu verstehen, wann Cannabis bei einer Erkältung helfen kann und in welchen Situationen man besser darauf verzichten sollte, werfen wir zunächst einen Blick auf die typischen Symptome einer Erkältung. An erster Stelle steht der typische “Schnupfen”: Die Nase läuft oder ist zu, die Atmung ist erschwert. Dazu kommt meist ein trockener Hals, verbunden mit einem Husten, der teilweise auch Schleim, sogenannten Auswurf, enthält. Beide Symptome in Kombination führen oft zu Müdigkeit, Hals- und Kopfschmerzen, bei einem stärkeren Verlauf kommen auch Gliederschmerzen und Fieber hinzu. Die Körpertemperatur ist dabei erhöht, was auf eine starke Reaktion des Immunsystems zurückzuführen ist. Das Fieber kann von leicht bis hoch reichen und ist teilweise begleitet von Schüttelfrost und starkem Schwitzen.

Im Groben lässt sich der Verlauf einer Erkältung in drei Phasen einteilen. Die erste Phase wird als Inkubationszeit bezeichnet: In diesem Stadium ist die Menge der Viren im Organismus noch gering. Trotzdem bekämpft das Immunsystem die Viren bereits, obwohl man keinerlei wahrnehmbare Symptome hat. Wenn das Immunsystem die Gefahr nicht bereits im Keim erstickt, beginnen nach zwei bis drei Tagen die ersten Symptome: Die Nase läuft vermehrt, der Hals fühlt sich trockener an und man fühlt sich insgesamt ein bisschen angeschlagen. Diese Phase wird als Akutphase bezeichnet. In dieser Phase breiten sich die Viren im Körper aus und liefern sich quasi ein Kopf-an-Kopf Rennen mit dem Immunsystem. Wenn die Viren sich in den Bronchien festsetzen, kann es zu dem typischen unangenehmen Reizhusten kommen.

Die Akutphase ist in den meisten Fällen nach wenigen Tagen vorbei, das Immunsystem hat die Oberhand gewonnen und verringert die Zahl der Viren im Körper täglich, wodurch auch die Symptome abgeschwächt werden. Diese Phase wird als Spätphase bezeichnet.

Rauchen nie empfehlenswert

Das Rauchen von Cannabis, sei es aus medizinischen Gründen oder in der Freizeit, kann ähnliche negative Nebenwirkungen wie das Rauchen von Zigaretten haben, selbst wenn es in reiner Form geraucht wird. Zu diesen Nebenwirkungen gehören unter anderem trockene Atemwege, die Bildung von Schleim in den Bronchien und ein gereizter Hals. Es ist leicht nachvollziehbar: Während einer Erkältung ist das Rauchen, egal ob von Zigaretten, reinen Joints oder in Kombination mit Tabak, nicht ratsam und kann zudem unangenehm sein. Durch die ohnehin stark beeinträchtigte Atmung bei einer Erkältung wird der Schleim trockener und verbleibt länger in der Lunge, was das Abhusten erschwert. Außerdem wird Reizhusten durch das Rauchen noch weiter verstärkt, weil der Rauch zusätzlich die Schleimhäute reizt und austrocknet. So bildet sich ein idealer Nährboden für weitere Keime. Auch Experten Raten: Während einer Erkältung sollte man nicht rauchen, um die Genesung nicht zu verzögern. Tatsächlich reizt auch das Verdampfen von Cannabisblüten die Bronchien, wenn auch nicht so stark wie beim Rauchen.

Eine Tasse, eine Box mit Taschentüchern und eine Lesebrille liegen auf einem Tisch.
Abb 2 Was hilft denn dann? Viel Flüssigkeit, Erholung und weiche Taschentücher!

Medizin einstellen… Wegen einer Krankheit?!

Auf den ersten Blick klingt das logisch, auf den zweiten Blick denken sich viele Patienten: Soll ich dann meine Medikation einstellen wenn ich krank werde? Ist das nicht kontraproduktiv? Tatsächlich muss man hier als Patient selbst entscheiden: In wie weit kann ich meine Medikation überhaupt runterschrauben? Nehmen dann, wenn ich beispielsweise meine Clusterkopfschmerzen mit Cannabis behandle, die Kopfschmerzen wieder unzumutbar zu, sobald ich auf Cannabis verzichte? Ja, das kann passieren. Muss es aber nicht!

Wenn das so ist, muss man sich tatsächlich entscheiden: Akzeptiert man es, dass die Erkältung ein bisschen länger verschleppt wird und konsumiert weiter Cannabis… Oder möchte man die Erkältung so schnell wie möglich los werden, ohne Rücksicht auf bestehende Krankheitsbilder? Die Entscheidung liegt hierfür beim Patienten selbst. Besonders bei psychischen Krankheiten sollte man aber auf jeden Fall mit dem Arzt Rücksprache halten, bevor man seine Medikation verändert.

Schlafprobleme durch Erkältung: Kann Cannabis helfen?

Einer der unangenehmsten Faktoren einer Erkältung ist wohl der Schlafmangel, besonders wenn sich die Krankheit über einen längeren Zeitraum zieht: Man schläft schlechter ein, bekommt in der Nacht schlechter Luft und wacht öfter auf. Tagsüber ist man dadurch müder und gereizter. Tatsächlich kann Cannabis hier vielleicht helfen: Eine Studie hat gezeigt, dass der Konsum von Cannabis, zumindest kurzzeitig, die Schlaflatenz verringert, man schläft also schneller und besser durch.1 Man kann also darüber nachdenken, ob man möglicherweise die Cannabis-Medikation nur auf den Abend beschränkt, um Tagsüber einfach besser durchatmen, nachts dafür wenigstens durchschlafen zu können.

Cannabis bei Erkältung: Keine Studien, nur Empfehlungen

Leider gibt es zu den Themen “Cannabis” und “Erkältungen” keine sinnvollen, aussagekräftigen Studien. Man findet jedoch öfters den Hinweis, dass Cannabis, da es entzündungshemmend wirkt, die Immunreaktion des Körpers negativ beeinträchtigen könnte. Entzündungen müssen jedoch nicht immer negativ sein: Fieber ist beispielsweise eine ganz normale Immunreaktion, die durch eine Entzündung entsteht. Durch die ansteigende Temperatur sollen schädliche Keime oder Viren abgetötet werden. Wenn diese Immunreaktion gestört wird, beispielsweise durch den Einsatz von Cannabis oder entzündungshemmenden Mitteln, kann dies den Heilungsprozess verlängern. Wie bereits erwähnt: Für diese Behauptung gibt es keine wissenschaftlichen Belege, da sie noch nicht überprüft werden konnte.

Eine vergrößerte Ansicht einer Ansammlung von Viren in einer Zelle
Abb 3 Viren werden im Körper durch Fieber bekämpft. Durch die hohe Temperatur werden die Viren abgetötet oder können sich nicht weiter vermehren.

Fazit: Konsum minimieren!

Auch wenn die Treffer der ersten Google-Seite zum Thema “Cannabis Erkältung” etwas ganz anderes vermuten lassen: Man sollte während einer Erkältung den Konsum von Cannabis minimieren, um das Immunsystem des Körpers nicht unnötig zu beeinflussen und möglicherweise von einer schnellen Genesung abzubringen. Je nach Zustand kann man als Kompromiss vor dem Schlafen gehen auf Cannabis zurückgreifen, um die Schlafqualität zu verbessern. Wenn möglich, sollte man hierbei jedoch auf Extrakte zurückgreifen und weder Blüten rauchen noch verdampfen, da dies den bereits angegriffenen Schleimhäuten weiter schaden kann.

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