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#2 Cannabis Konkret – Migräne und Clusterkopfschmerzen

#2 Cannabis Konkret – Migräne und Clusterkopfschmerzen
  • Um die 20 Millionen Menschen in Deutschland sind von Migräne oder einer anderen Form von Kopfschmerzen betroffen
  • Medizinisches Cannabis zeigt in Studien sehr gute Wirksamkeit bei gleichzeitig wenig Nebenwirkungen
  • Veranstaltung Cannabis Konkret im Februar: Cannabis bei Migräne und Clusterkopfschmerzen

Migräne und Kopfschmerzen gelten als Volkskrankheiten. In Deutschland sind Schätzungen zufolge rund 20 Millionen Menschen davon betroffen. Die Schmerzen können für die Betroffenen quälend sein und beeinträchtigen den Alltag oft enorm.

In den letzten Jahren ist die Forschung zu den möglichen Einsatzmöglichkeiten von Cannabis bei Migräne und weiteren Formen von Kopfschmerzen, beispielsweise Clusterkopfschmerzen, vorangekommen. Studien konnten zeigen, dass Cannabis eine gute Wirksamkeit bei gleichzeitig wenig Nebenwirkungen haben kann!

Verschiedene Arten von Kopfschmerzen im Überblick

Kopfschmerzen können grob in zwei Gruppen unterteilt werden: primäre Kopfschmerzen und sekundäre Kopfschmerzen.

Primäre Kopfschmerzen haben keine erkennbare Ursache. Sie sind die häufigste Form von Kopfschmerzen und umfassen unter anderem Spannungskopfschmerzen, Migräne und Clusterkopfschmerzen.

Sekundäre Kopfschmerzen treten hingegen als Folge einer anderen Erkrankung auf. Zu den möglichen Ursachen gehören:

  • Infektionen wie eine Grippe, Mittelohrentzündung oder Hirnhautentzündung
  • Verletzungen des Kopfes oder des Nackenbereiches
  • Tumore oder andere Erkrankungen des Gehirns
  • Medikamente, beispielsweise bestimmte Schmerzmittel, Blutdrucksenker oder Antidepressiva

Was ist Migräne?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die mit starken, pulsierenden Kopfschmerzen einhergeht. Sie ist meist von Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und einer starken Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet. Spannungskopfschmerzen treten im Gegensatz dazu oft in Verbindung mit Stress, Schlafmangel oder anderen Umwelteinflüssen auf und lassen sich meist relativ einfach behandeln, wenn man die Ursache kennt, die von zu viel Alkohol bis hin zu ungelüfteten Räumen reichen können.

Eine ältere Person hält sich bei einem Migräneanfall den Kopf.
Abb 1 Auch im Alter kann man noch an Migräne oder anderen Formen von Kopfschmerzen leiden, meistens tritt die Krankheit das erste mal zwischen 20-40 Jahren auf.

Die genaue Ursache von Migräne sind hingegen noch nicht vollständig geklärt. Bisher vermutet die Wissenschaft, dass eine Kombination aus genetischen Faktoren und Umwelteinflüssen eine Rolle spielt.

Migräne tritt bei Frauen etwa dreimal so häufig auf wie bei Männern. Die Krankheit kann zwar in jedem Alter auftreten, beginnt aber in der Regel zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr.

Eine typische Migräneattacke beginnt in der Regel allmählich und steigert sich dann über mehrere Stunden hinweg zu starken Kopfschmerzen. Die Kopfschmerzen können einseitig oder beidseitig auftreten und sind oft von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit sowie anderen Symptomen begleitet.

Einzelne Migräneattacken können bis zu 72 Stunden dauern. In der Regel klingen sie von selbst ab. Verständlicherweise nehmen viele Betroffene aber Schmerzmittel ein, um die Auswirkungen in Grenzen zu halten.1

Sie sind selbst regelmäßig von Kopfschmerzen und/oder Migräne/Clusterkopfschmerzen betroffen? Nutzen Sie den Kopfschmerzkalender der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V.. Mit den (anonymisierten!) Daten kann anderen Patienten möglicherweise in Zukunft besser geholfen werden!

Was sind Clusterkopfschmerzen?

Clusterkopfschmerzen sind eine seltene, aber sehr schmerzhafte Form von Kopfschmerzen. Sie treten in Clustern auf, d.h. in Phasen, in denen die Kopfschmerzen täglich oder sogar mehrmals täglich auftreten, gefolgt von Phasen, in denen sie völlig ausbleiben.

Die Symptome von Clusterkopfschmerzen sind oft stark und langanhaltend. Dazu gehören ein einseitiger, bohrender oder stechender Schmerz im Bereich des Auges, der Stirn oder der Schläfe, der die Patienten oft völlig “ausknocked”, also handlungsunfähig macht.

Die Schmerzen treten typischerweise in Schüben auf, die von 15 bis 180 Minuten dauern können. Clusterkopfschmerzen sind für die Betroffenen sehr belastend und können durch die starken Schmerzen zu erheblichen Einschränkungen im Alltag führen.2

Clusterkopfschmerzen treten in der Regel erstmals zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf, können jedoch auch in späteren Jahren erstmalig auftreten. Sie sind bei Kindern und Jugendlichen eher selten. Die Rate der Neuerkrankungen liegt bei Männern bei 15,6 pro 100.000 Personen pro Jahr und bei Frauen bei 4,0 pro 100.000 Personen pro Jahr. Die durchschnittliche Erkrankungsrate beträgt 9,8 auf 100.000 Personen pro Jahr. Nach verschiedenen Studien liegt die Prävalenz von Clusterkopfschmerzen in der Gesamtbevölkerung bei etwa 0,9 %.

Clusterkopfschmerz ist die einzige Form von primären Kopfschmerzerkrankungen, bei denen Männer deutlich häufiger betroffen sind. Zwischen 70 % und 90 % der Patienten mit chronischen und episodischen Clusterkopfschmerzen sind männlich.3

Behandlung von Kopfschmerzen, Migräne und Clusterkopfschmerzen

Die Ursachen von Clusterkopfschmerzen sind nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass sie durch eine Anomalie im Gehirn verursacht werden, die zu einer Überaktivität des Trigeminusnervs führt.

Die Behandlung von Clusterkopfschmerzen ist daher oft schwierig. Es gibt keine Heilung im herkömmlichen Sinne, aber es gibt verschiedene Medikamente und Therapien, die helfen können, die Häufigkeit und Intensität der Schmerzen zu verringern.

Clusterkopfschmerzen, die als einer der schmerzhaftesten Zustände bekannt sind, werden normalerweise mit starken Medikamenten behandelt. Diese Medikamente, wie Triptane oder Verapamil, sind speziell entwickelt, um die extremen Kopfschmerzen zu bekämpfen, die diese Zustände verursachen. Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass das Atmen von reinem Sauerstoff bei vielen Patienten sehr wirksam ist, um die Schmerzen zu lindern und die Dauer der Anfälle zu verkürzen.

Spannungskopfschmerzen, die weit verbreitet sind und oft durch Stress oder Muskelverspannungen verursacht werden, können in der Regel mit einfacheren Schmerzmitteln wie Aspirin oder Ibuprofen behandelt werden. Diese Medikamente können dazu beitragen, die Schmerzen zu lindern und es den Menschen zu ermöglichen, ihren täglichen Aktivitäten nachzugehen. Bei Menschen, die häufig unter Kopfschmerzen leiden, können auch präventive Maßnahmen wie eine regelmäßige körperliche Aktivität oder Entspannungstechniken sehr hilfreich sein, um die Häufigkeit und Schwere der Kopfschmerzen zu reduzieren.

Eine rote Packung Ibuprofen 200mg, die oft gegen Kopfschmerzen eingesetzt werden.
Abb. 2 Gegen Spannungskopfschmerzen werden oft herkömmliche Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Aspirin eingesetzt. Bei Migräne helfen diese aber oft kaum noch.

Migräne ist eine weitere Art von Kopfschmerz, die oft als intensiv und pulsierend beschrieben wird. Sie kann mit einer Reihe von Medikamenten behandelt werden, um sowohl die akuten Angriffe zu lindern als auch zukünftige Anfälle zu verhindern. Bei akuten Migräneattacken können Triptane eingesetzt werden, die schnell wirken und die Schmerzen effektiv lindern können. Zur Vorbeugung von Migräneanfällen können bestimmte Medikamente, wie Beta-Blocker oder Antiepileptika, oder Lebensstiländerungen, wie eine gute Schlafroutine und eine ausgewogene Ernährung, hilfreich sein.

Cannabis bei Kopfschmerzen – Studien geben grünes Licht!

Es gab bereits viele Studien, die sich generell mit den Themen “Cannabis” und “Schmerzen” befassten. Eine Studie aus dem Jahr 2019 befasste sich jedoch ausschließlich mit der Frage, inwieweit Cannabis bei Kopfschmerzen und Migräne helfen kann. Im Rahmen der Studie wurden Daten aus über 19.000 Sitzungen analysiert, in denen Cannabis zur Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne eingesetzt wurde. Die Ergebnisse zeigten, dass die Anwendung von Cannabis zu einer signifikanten Reduzierung der Schwere von Kopfschmerzen und Migräne führte. Im Durchschnitt konnten die die wahrgenommene Schwere von Kopfschmerzen und Migräne durch den Einsatz von medizinischem Cannabis um fast 50 % reduziert werden.

Interessanterweise zeigte sich, dass Männer eine stärkere Verringerung der Kopfschmerzen berichteten als Frauen. Außerdem wurde festgestellt, dass der Einsatz von Cannabis-Konzentraten zu einer stärkeren Reduzierung der Kopfschmerzintensität führte als die Verwendung von Cannabis-Blüten. Trotz der positiven Ergebnisse zeigte die Studie auch Anzeichen von Toleranzentwicklung gegenüber diesen Effekten bei einer fortdauernden Anwendung von Cannabis. Es wurde festgestellt, dass Patienten mit der Zeit höhere Dosen zu verwenden schienen, was auf eine Toleranzentwicklung hinweist.4

Eine weitere, aktuelle Studie aus dem Jahr 2022 untersuchte insgesamt 12 vorangegangene Veröffentlichungen mit fast 2000 Teilnehmern und untersuchte daran, inwieweit medizinisches Cannabis bei Migräne und Kopfschmerzen helfen kann. Auch hier waren die Ergebnisse überraschend klar: In 51 % der Fällen linderte medizinisches Cannabis Migräne besser als Produkte, die keine Cannabinoide enthielten. Obwohl es bereits “vielversprechende Beweise” gibt, dass medizinisches Cannabis bei der Behandlung von Migräne und Kopfschmerzen helfen kann, seien man aber noch weitere “gut konzipierte, experimentelle Studien” notwendig, um weitere Fragen zu beantworten.5

Cannabis Konkret – Infoveranstaltung im Februar: Cannabis bei Kopfschmerzen und Migräne

In der Apotheke LUX 99 in Hürth finden am 7. und 21. Februar 2024 unter dem Titel Cannabis Konkret zwei Veranstaltungen zum Thema Clusterkopfschmerzen und Migräne statt. Die Veranstaltungen richten sich an Ärzte, Patienten, Angehörige und Interessierte.

Am 7. Februar findet von 15.00 bis 18.00 Uhr eine Fortbildung für Ärzte statt (3 CME-Punkte). In dieser Fortbildung wird das Thema medizinisches Cannabis als Therapieoption bei Clusterkopfschmerzen und Migräne behandelt.

Am 21. Februar findet von 15.00 bis 18.00 Uhr eine Info-Veranstaltung für Patienten, Angehörige und Interessierte statt. In dieser Veranstaltung wird über die Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Clusterkopfschmerzen und Migräne informiert. Außerdem wird auf die Möglichkeiten von medizinischem Cannabis als Therapieoption eingegangen.

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  • 1 https://www.migraeneliga.de/migraene-fakten/

  • 2 https://www.gesundheitsinformation.de/cluster-kopfschmerzen.html

  • 3 https://schmerzklinik.de/service-fuer-patienten/clusterkopfschmerz-wissen/was-ist-clusterkopfschmerz/

  • 4 Cuttler et al:Short- and Long-Term Effects of Cannabis on Headache and Migraine, 2019, online unter: https://www.jpain.org/article/S1526-5900(19)30848-X/fulltext

  • 5 Okusanya et al: Medical Cannabis for the Treatment of Migraine in Adults: A Review of the Evidence, 2022, online unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35711271/

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