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#5 Cannabis Konkret: Cannabis bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

#5 Cannabis Konkret: Cannabis bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
  • Chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED) ist ein Überbegriff für Entzündungen des Darms, die häufig mit wiederkehrenden Bauchschmerzen und Durchfall verbunden sind
  • Die häufigste und bekanntesten Formen von CED sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.
  • Die genauen Ursachen von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sind ungeklärt. Vermutet wird eine fehlerhafte Immunreaktion auf Darmbakterien bei genetisch vorbelasteten Personen.
  • Veranstaltungsreihe Cannabis-Konkret im Mai: Medizinisches Cannabis bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

Von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen betroffene Personen berichten von Behandlungserfolgen mit medizinischem Cannabis. Da die Studienlage zum Thema noch relativ dünn ist, befasst sich die Veranstaltungsreihe Cannabis-Konkret mit dem Thema. Bei der Veranstaltung können sich Ärzte, Patienten und Interessierte über die Anwendung von Cannabis bei CED informieren und ihre Erfahrungen austauschen. Mehr Informationen und weitere Termine finden sie auf www.Cannabis-Konkret.de.

Was sind chronisch entzündliche Darmerkrankungen?

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) stellen eine Gruppe von Krankheiten dar, die sich durch eine anhaltende Entzündung des Magen-Darm-Trakts auszeichnen. Bei diesen Krankheiten entzündet sich der Verdauungstrakt auf eine Weise, die nicht, wie bei “normalen” Entzündungen durch eine kurzfristige Infektion oder ein vorübergehendes Ungleichgewicht verursacht wird, sondern über lange Zeiträume hinweg besteht und so die Lebensqualität stark einschränken kann. Die zwei am weitesten verbreiteten Formen der CED sind:

  • Morbus Crohn: Eine Form von CED, die jeden Abschnitt des Verdauungstrakts vom Mund bis zum After betreffen kann. Es ist eine besonders schwierige Erkrankung, da sie jeden Teil des Verdauungssystems betreffen kann, was eine Diagnose und Behandlung auch heute noch kompliziert macht.
  • Colitis ulcerosa: Eine andere Form von CED, die sich auf den Dickdarm und den Mastdarm beschränkt. Im Gegensatz zu Morbus Crohn, der jeden Teil des Verdauungstrakts betreffen kann, beschränkt sich Colitis ulcerosa auf diese spezifischen Bereiche und ist damit etwas einfacher zu diagnostizieren.
Eine kleine Holzfigur sitzt auf einem Toilettenrand.
Abb 1 Starker Durchfall und krampfartige Bauchschmerzen sind die häufigsten Symptome bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.

Die typischen Symptome von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) sind oft schwerer und anhaltender Durchfall, krampfartige Bauchschmerzen, die sich nach dem Stuhlgang verbessern können, und Blut im Stuhl, das auf eine Entzündung oder Verletzung des Darms hinweisen kann. Oft unerklärlicher Gewichtsverlust, der nicht auf eine Änderung der Ernährung oder des Lebensstils zurückzuführen ist, und übermäßige Müdigkeit, die über das normale Maß hinausgeht und mit anderen Symptomen wie Fieber einhergehen kann, sind weitere Anzeichen. Sogar Fieber kann ein Anzeichen für eine Entzündung oder Infektion sein.1 4

Die genauen Ursachen für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) sind bis heute nicht vollständig geklärt. Sie sind ein zentrales Thema in der aktuellen medizinischen und wissenschaftlichen Forschung. Es wird jedoch weithin angenommen, dass eine Vielzahl von Faktoren in Kombination eine entscheidende Rolle bei ihrer Entstehung spielen. Es gibt zahlreiche Beobachtungen und Studien, die darauf hindeuten, dass CED häufiger bei Familienmitgliedern von bereits Betroffenen auftritt. Dies legt nahe, dass genetische Faktoren und Veranlagungen eine mögliche Rolle in der Entstehung dieser Erkrankungen spielen könnten. Bei Patienten mit CED zeigt sich außerdem oft, dass das Immunsystem fälschlicherweise auf harmlose Darmbakterien reagiert und so quasi die eigene Darmwand angreift.

In Deutschland waren im Jahr 2023 etwa 250 000 Menschen von Morbus Crohn und 400 000 Menschen von Colitis ulcerosa betroffen.8

Dies deutet darauf hin, dass auch eine Fehlfunktion oder Fehlregulation des Immunsystems ein wesentlicher Faktor sein könnte. Außerdem haben verschiedene Untersuchungen gezeigt, dass bestimmte Umweltfaktoren das Risiko für die Entwicklung von CED erhöhen können. Dazu zählen beispielsweise Rauchen, der Konsum bestimmter Nahrungsmittel und Stress. Diese Faktoren können das Immunsystem beeinflussen und so zur Entstehung von CED beitragen. Die genauen Zusammenhänge werden jedoch aktuell noch erforscht, so dass die Medizin sich nach wie vor nicht einig ist, ob es einen alleinigen Auslöser gibt oder ob mehrere Faktoren zusammenkommen müssen.2 4

Wie wird eine chronisch entzündliche Darmerkrankung diagnostiziert?

Um eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung zu diagnostizieren, schließt ein Arzt zunächst andere potenzielle Ursachen für die Entzündung aus. Dies wird durch verschiedene Untersuchungen durchgeführt, darunter Blut- und Stuhlproben sowie eine Endoskopie mit Gewebebiopsie. Die Stuhlproben werden im Labor analysiert, um Infektionen mit Bakterien oder Parasiten nachzuweisen, die man sich beispielsweise während einer Reise eingefangen haben kann. Auch die Möglichkeit einer bakteriellen Infektion, wie der Clostridioides-difficile-Infektion, die durch Antibiotika verursacht werden kann, wird hierbei untersucht.

Wie wird eine chronisch entzündliche Darmerkrankung diagnostiziert?

Um eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung zu diagnostizieren, schließt ein Arzt zunächst andere potenzielle Ursachen für die Entzündung aus. Dies wird durch verschiedene Untersuchungen durchgeführt, darunter Blut- und Stuhlproben sowie eine Endoskopie mit Gewebebiopsie.

Die Stuhlproben werden im Labor analysiert, um Infektionen mit Bakterien oder Parasiten nachzuweisen, die man sich beispielsweise während einer Reise eingefangen haben kann. Auch die Möglichkeit einer bakteriellen Infektion, wie der Clostridioides-difficile-Infektion, die durch Antibiotika verursacht werden kann, wird geprüft.

Ein Wissenschaftler schaut durch ein Mikroskop Proben an. Auf einem Bildschirm neben ihm wird eine Grafik angezeigt.
Abb 2 Mithilfe einer Blut- und Gewebeprobe können Ärzte bestimmte Krankheiten ausschließen und so die Diagnose Morbus Crohn stellen.

Des Weiteren werden meist Tests auf sexuell übertragbare Infektionen wie Tripper sowie auf Herpes- und Chlamydieninfektionen durchgeführt.

Während einer Endoskopie, bei der der Verdauungstrakt mit einem speziellen Instrument betrachtet wird, können Gewebeproben entnommen werden. Diese Proben werden dann mikroskopisch untersucht, um andere potenzielle Ursachen für eine Dickdarm- (Colitis) oder Ileum-Entzündung auszuschließen.

Um andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen wie das Reizdarmsyndrom, ischämische Colitis, Malabsorptionssyndrome (z. B. Zöliakie) und bestimmte gynäkologische Erkrankungen bei Frauen auszuschließen, kann der Arzt auch bildgebende Verfahren wie Röntgen, CT oder MRT im Bauchbereich durchführen. In einigen Fällen kann auch eine Videokapselendoskopie eingesetzt werden, um den Darm genauer zu untersuchen, insbesondere wenn mehrere Symptome auf Morbus Crohn hinweisen.3

Herkömmliche Behandlungsmöglichkeiten

Zur Behandlung von Morbus Crohn stehen verschiedene Medikamentengruppen zur Verfügung. Oft werden als erstes Aminosalicylate (5-ASA-Präparate) wie Sulfasalazin eingesetzt. Diese wirken entzündungshemmend und werden bei leichtem Krankheitsverlauf eingesetzt. Sie können auch nach einem akuten Schub weiter angewendet werden, um neue Schübe zu verhindern. Kortisonpräparate, auch Glukokortikoide genannt, wie beispielsweise Prednison, wirken stark entzündungshemmend und werden bei verschiedenen Krankheitsaktivitäten im Schub eingesetzt.6

Immunsuppressiva wie Azathioprin unterdrücken das Immunsystem und wirken entzündungshemmend. Sie werden bei schwerer Ausprägung von Morbus Crohn eingesetzt und können auch langfristig angewendet werden, um neue Schübe zu verhindern. Immunsuppressiva werden als Tabletten oder Injektion verabreicht.

Sogenannte JAK-Hemmer wie beispielsweise Upadacitinib greifen gezielt ins Immunsystem ein, indem sie bestimmte Enzyme hemmen, die an der Weiterleitung von entzündungsfördernden Signalen beteiligt sind. Sie werden bei mittelschwerem bis schwerem aktivem Morbus Crohn angewendet, wenn andere Medikamente nicht ausreichend gewirkt haben. JAK-Hemmer werden als Tabletten eingenommen.

Auch sogenannte Biologika werden oft eingesetzt. Hierbei handelt es sich um biotechnologisch hergestellte Medikamente, die gezielt in das Immunsystem eingreifen, indem sie bestimmte Botenstoffe blockieren, die die Entzündung auslösen und fördern. Sie können bei mittelschwerem bis schwerem Morbus Crohn eingesetzt werden, wenn andere Medikamente nicht wirken oder nicht vertragen werden. Biologika werden entweder durch Selbstinjektion unter die Haut oder durch eine Infusion in die Armvene verabreicht.6 7

Cannabis als Medikationsergänzung bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

Cannabinoide, also die Wirkstoffe in Cannabis, wirken auf das Endocannabinoid-System. Der Konsum von Cannabisblüten und -extrakten, die bestimmte Cannabinoide enthalten, haben Auswirkungen auf die Psyche und den Körper, wie z.B. veränderte Sinneswahrnehmung und Euphorie. THC und CBD haben sogar einige antientzündliche Eigenschaften, die Menschen mit Morbus Crohn möglicherweise helfen könnten, weswegen es schon mehrere Studien gibt, die die Auswirkungen einer Behandlung mit medizinischem Cannabis untersucht haben.

Eine der Studien umfasste 21 Teilnehmer, die eine achtwöchige Behandlung mit Cannabiszigaretten erhielten, die 115 mg D9-Tetrahydrocannabinol (THC) enthielten. Diese wurde mit Placebozigaretten verglichen, die Cannabis ohne THC enthielten. Obwohl keine Unterschiede in den klinischen Remissionsraten festgestellt wurden, zeigten die Teilnehmer der Cannabis-Gruppe eine Verbesserung ihrer Symptome im Vergleich zur Placebo-Gruppe. Allerdings wurden in der Cannabis-Gruppe mehr Nebenwirkungen beobachtet, darunter Müdigkeit, Übelkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisverlust, Verwirrung und Schwindel.

Eine Hand mit einem Stift füllt einen Fragebogen mit mehreren Antwortmöglichkeiten aus.
Abb 3 Die Wirkung von medizinischem Cannabis bei Morbus Crohn wurde bereits in mehreren Studien untersucht.

Eine andere Studie umfasste 22 Teilnehmer, bei denen Cannabisöl (10 mg Cannabidiol, zweimal täglich) mit Placeboöl (Olivenöl) verglichen wurde. Die Teilnehmer litten an aktivem Morbus Crohn und hatten bereits mindestens eine medizinische Behandlung ohne Erfolg hinter sich. Auch in dieser Studie wurden keine Unterschiede in den klinischen Remissionsraten festgestellt und es gab keinen Unterschied in den schwerwiegenden Nebenwirkungen.

Eine weitere Studie bestand aus 50 Teilnehmern und verglich die Wirkung von Cannabisöl (mit 15% Cannabidiol und 4% THC) mit Placeboöl. Hier wurden positive Unterschiede in Bezug auf die Lebensqualität und den Crohn’s Disease Activity Index beobachtet, ein Werkzeug zur Quantifizierung der Symptome von Morbus Crohn.5

Cannabis kann die Behandlung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen unterstützen

Die Auswirkungen von Cannabis und Cannabisöl auf Morbus Crohn sind noch nicht ganz geklärt. Es können keine eindeutigen Schlussfolgerungen zum Nutzen und Schaden (z. B. Nebenwirkungen) von Cannabisblüten und Cannabisöl bei Erwachsenen mit Morbus Crohn gezogen werden. Viele Einzelberichte von Patienten lassen außerdem darauf schließen, dass Cannabis vor allem bei der Appetitsteigerung und den Übelkeitserscheinungen helfen kann.

Früher hatte ich einen Schub nach dem anderen. Cannabis hat meine Morbus Crohn Erkrankung im Griff, seitdem ist kein Kortison mehr nötig geworden und meine Lebensqualität hat sich um ein vielfaches verbessert. Ich habe sogar wieder zurück ins Arbeitsleben gefunden.

Dominik Benedens, aka Hightere.Gedanken

Die Auswirkungen von Cannabis und Cannabisöl bei Menschen mit Morbus Crohn in Remission, also quasi auf dem Weg der Besserung, wurden nicht abschließend untersucht. Weitere Studien mit größeren Teilnehmerzahlen sind erforderlich, um den möglichen Nutzen und Schaden von Cannabis bei Morbus Crohn zu bewerten. Sie sollten die Auswirkungen von Cannabis bei Menschen mit sowohl aktivem als auch Morbus Crohn in Remission untersuchen. Unterschiedliche Dosierungen und Formulierungen von Cannabis, beispielsweise Blüten, Öl oder Sprays, sollten in Betracht gezogen werden. Sie können sich hierzu natürlich jederzeit bei unserem Personal beraten lassen, egal ob persönlich vor Ort, per Telefon-Hotline oder per E-Mail.

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bivarin tetrahydrocanna

May 3, 2024

Allen Magen- und Darmerkrankten sei geraten, täglich frischen Saft aus Hanfblättern und -blüten zu trinken. Im frischen Hanf sind alle Hanfwirkstoffe (Cannabinoide und Terpene) in Säureform extrem potent, um Magen- und Darm schnell zu gesunden und den Stoffwechsel zu erhöhen. Bei Schmerzen (z.B. Koliken) sollte zusätzlich aktivierter genommen werden. Hierbei ist oral eingenommener Hanf am wirksamsten. Passieren Hanfkekse Magen und Darm, kann Hanf unsere Verdauung effektiv verbessern.