Cannabis verdampfen: Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Phytoinhalation

Cannabis verdampfen: Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Phytoinhalation

Die Inhalation cannabinoidhaltiger Arzneimittel zählt nicht nur zu den häufigsten Anwendungsformen. Aus pharmazeutischer Sicht hat sie auch klar Vorteile. Im Vergleich zur oralen Einnahme setzt die Wirkung beispielsweise innerhalb von ein bis zwei Minuten ein, was insbesondere für Patienten mit akuten Beschwerden von Vorteil ist. Zudem kann bei der Inhalation präzise dosiert werden. Sollte nach 15 bis 30 Minuten keine Wirkung eintreten, können weitere Inhalationszüge genommen werden, bis die gewünschten Effekte erreicht sind.1

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Im medizinischen Kontext ist die Anwendung durch Inhalation nicht mit dem Rauchen eines Joints oder einer Bong gleichzusetzen. Stattdessen werden spezielle Verdampfer verwendet, um Cannabisblüten oder cannabinoidhaltige Lösungen kontrolliert auf eine bestimmte Temperatur zu erhitzen, um den daraus resultierenden Dampf mit den darin gelösten Wirkstoffen zu inhalieren.1

Ist Cannabis verdampfen gesünder als rauchen?

Verdampfen ist darauf ausgerichtet, die Schadstoffe zu vermeiden, die beim Verbrennen von Cannabisblüten in einem Joint oder einer Wasserpfeife entstehen und die Gesundheit von Patienten beeinträchtigen können. Ein Vaporizer ermöglicht einen schnellen Wirkungseintritt, wobei schädliche Verbrennungsstoffe vermieden werden.1

Das Rauchen von Cannabis ist weiterhin ein sehr beliebte Form der Anwendung und Verdampfen konnte sich erst innerhalb der letzten 10 bis 15 Jahren etablieren. Es gibt mehr Daten zum Rauchen von Cannabis als zur Inhalation nach Vaporisation – obwohl letztere aufgrund toxikologischer Gründe eindeutig bevorzugt werden sollte.1

Die therapeutisch potenziell nützlichen Inhaltsstoffe von Cannabis werden bei einer Verdampfungstemperatur zwischen 180 und 210 °C gelöst und können von Patienten ohne Reizungen inhaliert werden. Verdampfen ermöglicht die effektive und schadstoffarme Freisetzung von Cannabinoiden.1

In einer Studie von Abrams, Vizoso et al. (2007) wurde die Aufnahme von THC aus Cannabisblüten durch Rauchen und Verdampfen verglichen. Dabei erreichten beide Verabreichungsmethoden ähnliche Konzentrationen im Blutplasma bis zu 6 Stunden nach der Anwendung. Jedoch war der Plasmaspiegel bei der Verdampfung höher als beim Rauchen. Ein möglicher Grund dafür könnte die schnellere Aufnahme von Wirkstoffen nach dem Verdampfen sein.2

Tragbarer Vaporizer zum Verdampfen medizinischer Cannabisblüten
Abb. 1: Für die medizinische Anwendung zugelassene Vaporizer wie der Mighty ® des deutschen Herstellers Storz&Bickel können die optimale Freisetzung von Cannabinoiden garantieren. Zudem können die Kosten dafür von der Krankenkasse übernommen werden.

Cannabisextrakte sollten nicht inhalativ angewendet werden, da das Trägeröl beim Erhitzen potenziell toxische Produkte abgeben könnte. Stattdessen gibt es ethanolhaltige Cannabinoidlösungen zur Inhalation, bei denen das Ethanol vor der Anwendung (bei etwa 100°C) entfernt wird. Die Inhalation der Cannabinoide erfolgt dann bei Temperaturen von 180 bis 210°C.1

Wie verdampft man Cannabis richtig?

Es gibt verschiedene Arten von Verdampfern mit unterschiedlichen Funktionsweisen (elektrisch/manuell). Die Konstruktion des Hilfsmittels beeinflusst die Zusammensetzung des erzeugten Dampfes sowie die Menge der gelösten Cannabinoide.

Es ist auch wichtig zu beachten, dass die Umwandlung von THCA und CBDA in die pharmakologisch aktiven Decarboxylate THC und CBD während der Verdampfung zum Beispiel von der Funktionsweise des Vorheizprozesses abhängt und bei vielen Geräten nicht ausreichend erforscht oder bekannt ist. Aus diesem Grund sollten für den medizinischen Gebrauch nur validierte und zugelassene Vaporisatoren verwendet werden. Zum Beispiel:

Das Sicherheitsprofil bei der Inhalation von Cannabis-Wirkstoffen nach Verdampfung lässt sich nur schwer beurteilen. Es gibt Berichte über versehentliche Überdosierungen und psychoaktive Nebenwirkungen, die jedoch mit Erfahrung und vorsichtigem Umgang vermieden werden können. Aufgrund der begrenzten Einsatzdauer von Vaporisatoren gibt es derzeit keine ausreichenden Langzeitstudien, um die Langzeiteffekte des Verdampfen von Cannabis zu beurteilen.3

Eine Kartusche mit Cannabisextrakt zum Verdampfen in einer E-Zigarette.
Abb. 2: Kartuschen mit Cannabis-Konzentraten zum Verdampfen in einer E-Zigarette sind vor allem für den Freizeitkonsum interessant.

Im Freizeitbereich werden neben speziellen Verdampfern für die Anwendung von Cannabisblüten und -konzentraten auch zunehmend E-Zigaretten verwendet, um cannabinoidhaltige E-Liquids zu verdampfen. Diese sind jedoch für den medizinischen Einsatz ungeeignet.1

Bisher gibt es keine Studien über die Auswirkungen von Verdampfungstemperaturen auf Pilze oder Sporen, die möglicherweise in Cannabisblüten vorhanden sind und bei Patienten Infektionen verursachen könnten. Medizinisches Cannabis unterliegt jedoch strengen Qualitätsanforderungen, einschließlich mikrobiologischer Standards, die eine derartige Kontamination verhindern sollen – zum Beispiel durch Betrahlung.1

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  • 1. Ziegler S. (2022): Darreichungsformen für den medizinischen Einsatz, in: Cannabis. Handbuch für Apotheken, Ärzte, Industrie und Behörden. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart. 2022.

  • 2. Abrams DI, Vizoso HP et al. Vaporization as a smokeless cannabis delivery system: a pilot study. Clinical Pharmacology and Therapeutics. 2007;82(5):572–8. doi:10.1038/sj.clpt.6100200

  • 3. Giroud C, Cesare M de et al. E-Cigarettes: A Review of New Trends in Cannabis Use. Int J Environ Res Public Health. 2015;12(8):9988–10008. doi:10.3390/ijerph120809

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