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Cannabinoid Hyperemesis Syndrom: Nur Abstinenz hilft

Die Anwendung von medizinischem Cannabis gilt im Vergleich zu anderen Arzneimitteln insgesamt als relativ sicher. Und doch gibt es seltene Fälle, in denen die Folgen des Konsums von Cannabis zum Tod führen können.

Cannabinoid Hyperemesis Syndrom: Nur Abstinenz hilft

Die Anwendung von medizinischem Cannabis gilt insgesamt als relativ sicher. Auch die nicht-medizinische Anwendung ist, verglichen mit anderen illegalen Substanzen wie Kokain oder Heroin, risikoarm.

Was ist das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom?

Das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom (CHS) ist eine seltene Erkrankung, die bei Personen auftreten kann, die über einen längeren Zeitraum regelmäßig Cannabis in hoher Dosierung konsumieren. CHS ist allgemein gekennzeichnet durch wiederkehrende Anfälle von Übelkeit, Erbrechen und starken Bauchschmerzen. Diese Symptome können schwerwiegend sein und die Lebensqualität der betroffenen Personen erheblich beeinträchtigen.

In aktuellen Studien wird nach Hochrechnungen davon ausgegangen, dass alleine in den USA aktuell fast drei Millionen Menschen am Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom leiden.1

Der Verlauf ist in der Regel nicht tödlich, kann jedoch schwerwiegende Komplikationen verursachen, wenn die Krankheit nicht behandelt wird. Die wiederholten Episoden von Übelkeit und Erbrechen, die oft mit CHS einhergehen, können zu Dehydration, Elektrolytungleichgewicht und Nierenversagen führen. Solche Komplikationen können ernsthafte gesundheitliche Probleme verursachen und haben bereits in drei dokumentierten Fällen zum Tod von Menschen geführt.2

Woran erkennt man das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom?

Das Cannabinoid Hyperemesis Syndrom (CHS) äußert sich typischerweise durch wiederkehrende Episoden von Übelkeit, Erbrechen und starken Bauchschmerzen. Ein auffälliges Merkmal ist, dass Betroffene häufig den Drang verspüren, heiße Bäder oder Duschen zu nehmen, um ihre Symptome zu lindern. Man vermutet, dass die Wärme den Blutfluss und die Durchblutung beeinflusst, was wiederum die Symptome des Syndroms vorübergehend reduziert. Es gibt auch Fälle, in denen die topische Gabe von Capsaicin auf die Bauchregion geholfen hat, die akuten Symptome zu lindern.3

Aus einem Duschkopf kommt heißes Wasser
Abb.1: Heißes Wasser, beispielsweise aus der Dusche oder in der Badewanne, hilft vielen Betroffenen, die Symptome zu lindern.

Die Symptome treten normalerweise als Folge langfristiger Konsummuster auf und werden durch die Einnahme von Cannabis verstärkt. Um das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom zu diagnostizieren, müssen andere Ursachen von Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen ausgeschlossen werden. Dazu gehören Erkrankungen wie Magen-Darm-Infektionen, Gallensteine und entzündliche Darmerkrankungen. Wurden andere Ursachen ausgeschlossen und der Patient außerdem als regelmäßiger und langfristiger Cannabisnutzer identifiziert, kann die Diagnose CHS gestellt werden.

Was löst das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom aus?

Die genaue Ursache des Cannabinoid-Hyperemesis-Syndroms ist nicht vollständig geklärt. Es wird allerdings angenommen, dass es mit einer Störung des körpereigenen Endocannabinoid-Systems zusammenhängen kann, das durch den chronischen Cannabiskonsum beeinflusst wird. Das Endocannabinoid-System spielt eine Rolle bei vielen physiologischen Funktionen.

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Man geht davon aus, dass die Wirkstoffe im Cannabis, insbesondere Tetrahydrocannabinol (THC), den Gastrointestinaltrakt beeinflussen und zu einer Dysregulation des Verdauungssystems führen können. Dies kann zu einer verzögerten Magenentleerung und einer Störung der Darmmotilität führen, was wiederum Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen verursacht.

Behandlung und Prävention

Da die genaue Ursache des Cannabinoid Hyperemesis Syndroms nicht vollständig geklärt ist, gibt es keine spezifischen Präventionsstrategien, um der Erkrankung vorzubeugen. Es ist jedoch bekannt, dass Menschen, die viel und regelmäßig Cannabis konsumieren, ein höheres Risiko für die Erkrankung an CHS haben.

Die Behandlung des Cannabinoid-Hyperemesis-Syndroms besteht in erster Linie darin, den Cannabiskonsum einzustellen.4

Eine aufgeschnittene Chilischote, die das natürlich vorkommende Alkaloid Capsaicin enthält.
Abb. 2 Das brennende Gefühl, welches von Capsaicin ausgelöst wird, hilft betroffenen, die akuten Symptome des Cannabinoid Hyperemesis Syndrom zu lindern.

Fazit

Das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom ist zwar eine sehr seltene, aber schwerwiegende Komplikation, die durch die langfristige und starke Verwendung von Cannabis verursacht wird. Obwohl die genaue Ursache des CHS noch nicht vollständig verstanden ist, gibt es starke Hinweise darauf, dass THC und die dadurch verursachte Beeinflussung des Endocannabinoid-Systems eine Rolle spielen könnten. Die korrekte Diagnose von CHS erfordert eine sorgfältige Ausschlussdiagnostik und eine genaue Anamnese. Die bisher einzige Möglichkeit, CHS langfristig zu behandeln, besteht darin, den Cannabiskonsum vollständig einzustellen.

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  • 1 Habboushe J, Rubin A, Liu H, Hoffman RS (2018) The prevalence of cannabinoid hyperemesis syndrome among regular marijuana smokers in an urban public hospital, in: Basic & Clinical Pharmacology & Toxicology. Online unter: https://doi.org/10.1111/bcpt.12962

  • 2 Nourbakhsh M, Miller A, Gofton J (2019) Cannabinoid Hyperemesis Syndrome: reports of fatal cases, in: Journal of Forensic Science. Online unter: https://doi.org/10.1111/1556-4029.13819

  • 3 Lapoint J, Meyer S, Yu CK, Koenig KL (2018) Cannabinoid Hyperemesis Syndrome: public health implications and a novel model treatment guideline, in: Western Journal of Emergency Medicine. Online unter: https://doi.org/10.5811/westjem.2017.11.36368

  • 4 Sorensen CJ, DeSanto K, Borgelt L et al (2017) Cannabinoid hyperemesis syndrome: diagnosis, pathophysiology, and treatment—a systematic review, in: Journal of Medical Toxicology. Online unter: https://doi.org/10.1007/s13181-016-0595-z

  • 5 Allen JH, de Moore GM, Heddle R, Twartz JC. Cannabinoid hyperemesis: cyclical hyperemesis in association with chronic cannabis abuse, in: Gut .Online unter: https://gut.bmj.com/content/53/11/1566.short

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Kommentare

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Bobby420

May 17, 2023

Verrückt... sehr ähnliche Symptome hatte ein Bekannter! Seit wann ist diese Krankheit bekannt?