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Das Endocannabinoidsystem (ECS)

Das Endocannabinoidsystem (ECS)

Unsere Organe synthetisieren Cannabinoide

Verantwortlich dafür ist das Endocannabioidsystem – eine Vorstellung

Der menschliche Körper ist ein komplexes System aus Haut, Knochen, Organen und Muskeln. Im Inneren sind verschiedene Prozesse daran beteiligt, das empfindliche Gleichgewicht aufrechtzuerhalten. Unser körpereigenes Cannabinoid-System (Endocannabinoidsystem, kurz ECS) spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Was ist das Endocannabinoidsystem?

Das Endocannabinoidsystem ist ein zentrales Regulierungssystem des menschlichen Körpers, das eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Nervensystems, bei der Signalübertragung zwischen Synapsen und der Wiederherstellung des physiologischen Gleichgewichts spielt.1

Alle Säugetiere verfügen über ein Endocannabinoidsystem mit den dazugehörigen Rezeptoren. Sie befinden sich in unterschiedlichen Körperteilen und sind an der Regulierung vieler physiologischer Vorgänge beteiligt.

Die Vorsilbe >Endo< kommt aus dem Griechischen und bedeutet innerhalb, (von) innen. Vereinfacht ausgedrückt, ist das Endocannabinoidsystem ein internes Regulierungssystem des menschlichen Körpers, das als Stressregulator agiert und den Körper in einem physiologischen Gleichgewicht hält. Es kommuniziert mit allen anderen Körpersystemen und besteht aus verschiedenen Bestandteilen.1,2

Welche Bestandteile hat das Endocannabinoidsystem?

Das Endocannabinoidsystem besteht aus körpereigenen, sogenannten Endocannabinoiden, Cannabinoid-Rezeptoren sowie Proteinen für Synthese und Abbau der vom Körper produzierten, endogenen Cannabinoide.3

Menschliches Skelett ab dem Brustkorb aufwärts mit durchsichtiger Haut und sichtbaren Nervenfasern, Arterien und Venen, streckt beide Arme nach oben.
Abb. 1: Das körpereigene Endocannabinoidsystem beeinflusst viele Körperfunktionen.

Cannabinoid-Rezeptoren

Cannabinoid-Rezeptoren agieren als Bindungsstellen für endogene und exogene Cannabinoide. Es gibt verschiedene Arten davon. Die zwei bekanntesten Rezeptoren sind CB1 und CB2. Während man CB1-Rezeptoren hauptsächlich im Zentralnervensystem (ZNS) findet, kommen CB2-Rezeptoren eher in Immunzellen sowie im Magen-Darm-Trakt vor.2

Was ist der Cannabinoid-Rezeptor 1?

Vorwiegend in Nervenzellen vorhanden, regulieren CB1-Rezeptoren die zahlreichen Informationen, die unser Gehirn verarbeiten muss. Durch die Hemmung der Freisetzung von Neurotransmittern kann eine Über- oder Unteraktivität der Botenstoffe im Gehirn ausgeglichen werden. Der Rezeptor zählt zu den häufigsten Rezeptoren im Gehirn und ist am höchsten in den Basalganglien des Gehirns und im Hippocampus konzentriert. Daneben kommt er auch in vielen Organen und Geweben, wie der Niere, dem Herzen oder in weißen Blutkörperchen vor.4,5CB1-Rezeptoren befinden sich an den Enden der Nervenzellen. Eine ihrer Aufgaben im Gehirn ist die Hemmung einer zu starken Signalweitergabe durch Neurotransmitter. Kommt es zur Aktivierung der Rezeptoren, hemmen diese die Freisetzung von Botenstoffen im Gehirn wie den aktivierenden Neurotransmitter Glutamat oder den hemmenden Neurotransmitter GABA. Es handelt sich dabei um einen natürlichen Regulierungsprozess zum Schutz einer Überlastung des zentralen Nervensystems (ZNS).9,10,11

An einem Beispiel erklärt: Bindet THC an CB1-Rezeptoren im Gehirn, wird die Überregung der Schmerzregelkreise unterbrochen und Schmerzen gelindert.4,5,9,10,11

Was ist der Cannabinoid-Rezeptor 2?

CB2-Rezeptoren kommen hauptsächlich auf den Zellen des Immunsystems vor, wurden schließlich aber auch im gesamten Zentralnervensystem nachgewiesen. Das hoch entwickelte Immunsystem von Säugetieren schützt den Körper vor Viren, Bakterien oder anderen potenziell gefährlichen Einflüssen.4,13

Endocannabinoide

Die bekanntesten Cannabinoide THC und CBD sind sogenannte exogene Cannabinoide. Sie werden dem Körper von außen zugeführt (zum Beispiel durch die Einnahme von Cannabis). Endocannabinoide hingegen werden vom Körper selbst produziert und interagieren ebenfalls mit den Cannabinoid-Rezeptoren.

Zu den wichtigsten Endocannabinoiden zählen:

  • Anandamid (Arachidonylethanolamid) und
  • 2-AG (2-Arachidonyl-glycerol)

Anandamid kommt in großen Mengen im Zentralnervensystem vor. 2-AG ist im Gehirn am höchsten konzentriert. Ein Ungleichgewicht oder Mangel an Endocannabinoiden kann verschiedene Beschwerden hervorrufen. Es wird derzeit vermutet, dass eine Störung des Endocannabinoidsystems die Entstehung diverser Erkrankungen begünstigen könnte.6,14

Welche Funktion hat das Endocannabinoidsystem ?

Für die Wirkung des Endocannabinoidsystems im Gehirn sind vor allem CB1-Rezeptoren verantwortlich. Indem sie die Freisetzung von Botenstoffen regulieren, übernehmen sie eine wichtige Schutzfunktion. Tritt beispielsweise in Regionen, die für Übelkeit und Erbrechen zuständig sind, eine zu hohe Aktivität an Neurotransmittern auf, kann die Aktivierung des CB1-Rezeptors diese erhöhte Aktivität reduzieren.7

Eine Frau sitzt während eines Sonnenuntergangs auf einer Bank auf einem Berg mit Blick ins Tal.
Abb. 2: Das Endocannabinoidsystem beeinflusst die Stimmung, die Müdigkeit und ist auch dafür verantwortlich, einfach mal entspannen zu können.

Durch ähnliche Mechanismen, die das Endocannabinoidsystem aktivieren, können Schmerzreize, Muskelspastik, epileptische Anfälle, Angststörungen, Zwangsstörungen, Hyperaktivität und weitere Krankheitssymptome abgeschwächt werden.9,12

Auch in der Haut, dem größten Organ des menschlichen Körpers, spielt das Endocannabinoidsystem eine wichtige Rolle für die Regulierung biologischer Prozesse. Viele Bereiche der Haut produzieren selbst Endocannabinoide.7

Bisher hat man aber zum Beispiel herausgefunden, dass Endocannabinoide an der Kommunikation zwischen verschiedenen Arten von Immunzellen beteiligt sind und die Produktion von Botenstoffen und Entzündungsmediatoren beeinflussen können.12

Das Endocannabinoidsystem – ein wichtiges Regulierungssystem des Körpers

In der Gesamtheit seiner Komponenten, den Endocannabinoiden, Cannabinoid-Rezeptoren und Proteinen für Bildung und Abbau endogener Cannabinoiden wie Anandamid und 2-AG, übernimmt das Endocannabinoidsystem im zentralen Nervensystem und anderen Organen wichtige biologische und regulatorische Funktionen. Wird das System in seiner normalen Funktion gestört, kann dies verschiedene physiologische Beschwerden hervorrufen. Bei bestimmten Erkrankungen kann die Beeinflussung des Endocannabinoidsystems nützlich sein.8,9,12

Es beeinflusst fast alle Regionen des menschlichen Körpers. Cannabinoid-Rezeptoren und Endocannabinoide befinden sich zum Beispiel im Herz-Kreislaufsystem, in den Fortpflanzungsorganen, in der Leber, im Immunsystem, in den Knochen, in der Muskulatur und in der Haut. Auch wenn man sukzessive mehr Erkenntnisse über die Funktion des Endocannabinoidsystems in unterschiedlichen Geweben gewinnt, muss seine Bedeutung noch viel intensiver erforscht werden.7,10

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  • 1 Lu HC, Mackie K (2016):An Introduction to the Endogenous Cannabinoid System, in Biological Psychiatry 79(7), Amsterdam: Elsevier, S. 516-525.

  • 2 Grotenhermen F. (2018): Endogene Cannabinoide und das Endocannabinoidsystem, in Handbuch Psychoaktive Substanzen (hrsg. Heyden M., Jungaberle H., Majić T.), Heidelberg:Springer Berlin, S. 411-420.

  • 3 Russo E.B. (2016): Beyond Cannabis: Plants and the Endocannabinoid System, in Trends in pharmacological sciences 37(7), Cambridge,MA: Cell Press, S. 594–605.

  • 4 DocCheck (2022): Cannabinoid-Rezeptor, 4. Oktober 2021, https://flexikon.doccheck.com/de/Cannabinoid-Rezeptor (08.06.2022)

  • 5 Kalapa Clinic (2016-2022): Cannabinoid-Rezeptoren, https://www.kalapa-clinic.com/de/cannabinoid-rezeptoren/(09.06.2022)

  • 6 DocCheck (2022): Anandamid, 21. November 2017, https://flexikon.doccheck.com/de/Anandamid (09.06.2022)

  • 7 Grotenhermen F. (2022): Das Endocannabinoidsystem: Wie THC seine Wirkung im Körper ausübt, in: Hanf Magazin vom 15. August 2016. Online unter https://t1p.de/69bl2 (10.06.2022).

  • 8 Russo E.B. (2016): Clinical Endocannabinoid Deficiency Reconsidered: Current Research Supports the Theory in Migraine, Fibromyalgia, Irritable Bowel, and Other Treatment-Resistant Syndromes, in Cannabis Cannabinoid Research (hrsg. Piomelli D.), Larchmont, NY: Mary Ann Liebert Inc., S. 154–165.

  • 9 Breijyeh Z, Jubeh B, Bufo SA, Karaman R,Scrano L. Cannabis: A Toxin-Producing Plant with Potential Therapeutic Uses. Toxins (Basel). 2021 Feb 5;13(2):117. doi: 10.3390/toxins13020117. PMID: 33562446; PMCID: PMC7915118.

  • 10 Zou S, Kumar U. Cannabinoid Receptors and the Endocannabinoid System: Signaling and Function in the Central Nervous System. Int J Mol Sci. 2018 Mar 13;19(3):833. doi: 10.3390/ijms19030833. PMID: 29533978; PMCID: PMC5877694.

  • 11 Grotenhermen F. Pharmacokinetics and pharmacodynamics of cannabinoids. Clin Pharmacokinet. 2003;42(4):327-60. doi: 10.2165/00003088-200342040-00003. PMID: 12648025.

  • 12 Lowe H, Toyang N, Steele B, Bryant J, Ngwa W. The Endocannabinoid System: A Potential Target for the Treatment of Various Diseases. Int J Mol Sci. 2021 Aug 31;22(17):9472. doi: 10.3390/ijms22179472. PMID: 34502379; PMCID: PMC8430969.

  • 13 Almogi-Hazan O, Or R. Cannabis, the Endocannabinoid System and Immunity-the Journey from the Bedside to the Bench and Back. Int J Mol Sci. 2020 Jun 23;21(12):4448. doi: 10.3390/ijms21124448. PMID: 32585801; PMCID: PMC7352399.

  • 14 Huang WJ, Chen WW, Zhang X. Endocannabinoid system: Role in depression, reward and pain control (Review). Mol Med Rep. 2016 Oct;14(4):2899-903. doi: 10.3892/mmr.2016.5585. Epub 2016 Aug 1. PMID: 27484193; PMCID: PMC5042796.

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