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Medizinalcannabis: Blüten vs. Extrakte

Unterschiede und Anwendungsmöglichkeiten

Medizinalcannabis: Blüten vs. Extrakte

In den letzten Jahren hat die Verwendung von Medizinalcannabis zunehmend an Bedeutung gewonnen, da immer mehr Menschen vom therapeutisch nützlichen Potenzial der Pflanze profitieren können. Während Cannabis als natürliche Heilpflanze bereits seit Jahrtausenden in verschiedenen Kulturen genutzt wird, stehen Patienten heute eine Vielzahl moderner Darreichungsformen zur Verfügung. Besonderer Fokus liegt dabei auf zwei Hauptkategorien von Medizinalcannabis: 

Cannabisblüten und Cannabisextrakte

Doch welche dieser beiden Optionen ist die richtige Wahl für Patienten und welche Vor- und Nachteile bringen sie jeweils mit sich? In diesem Blogbeitrag möchten wir uns auf die Unterschiede zwischen Cannabisblüten und -extrakten konzentrieren, um Ihnen einen umfassenden Überblick über die jeweiligen Anwendungsmöglichkeiten, Wirkungsweisen und Herausforderungen zu geben. Finden Sie heraus, welche der beiden Formen am besten zu Ihren Bedürfnissen passt.

Cannabisblüten

Medizinische Cannabisblüten werden unter kontrollierten Bedingungen produziert. Die Zusammensetzung der Wirkstoffe variiert je nach zugrundeliegendem Kultivar und Genetik. Um die Keimzahl des Endproduktes zu minimieren, können Cannabisblüten mit ionisierenden Strahlen behandelt werden. 

Eigenschaften und Anwendung von Cannabisblüten

Cannabisblüten sind die getrockneten Blütenstände der weiblichen Cannabispflanze. Sie enthalten zahlreiche Wirkstoffe, darunter Cannabinoide wie THC und CBD, sowie Terpene und Flavonoide.

  • Mögliche Anwendungsbereiche: Schmerzen, Spastik, entzündliche Darmerkrankungen, ADHS, Tourette-Syndrom, Multiple Sklerose
  • Anwendungsart: Inhalation durch Vaporisieren/Verdampfen1
Der harzige Haupttrieb einer blühenden Cannabispflanze
Abb. 1: Cannabisblüten wirken deutlich schneller als Extrakte und enthalten meistens ein breiteres Spektrum an Wirk- und Geschmacksstoffen wie THC, CBD und Terpene.

Die medizinische Verwendung von Cannabisblüten hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Zu den Vorteilen zählt, dass es sich um ein natürliches, unverarbeitetes Produkt handelt, welches das vollständige Spektrum an Wirkstoffen beinhaltet. Dadurch können Patienten von einer synergistischen Wirkung profitieren. Darüber hinaus ermöglicht die Inhalation der in den Blüten enthaltenen Stoffe eine schnelle Wirkung und die individuelle Dosierung erlaubt eine maßgeschneiderte Anpassung an die Bedürfnisse eines jeden Patienten.4

Es gibt aber auch Nachteile, die bei der Verwendung von Cannabisblüten berücksichtigt werden sollten. Der Wirkstoffgehalt kann aufgrund natürlicher Schwankungen variieren, was zu einer ungenauen Dosierung führen kann. Zudem kann das Rauchen der Blüten gesundheitsschädlich sein und möglicherweise Atemwegsprobleme verursachen. Bei der Anwendung kann es außerdem zu Geruchsbelästigung kommen, die für manche Patienten oder ihre Umgebung unangenehm sein kann.

Vorteile

  • Natürliches, unverarbeitetes Produkt
  • Vollständiges Spektrum an Wirkstoffen
  • Schnelle Wirkung durch Inhalation
  • Individuelle Dosierung möglich

Nachteile

  • Schwankender Wirkstoffgehalt
  • Rauchen kann gesundheitsschädlich sein
  • Geruchsbelästigung bei der Anwendung

Cannabisextrakte

Für die Herstellung medizinischer Cannabisextrakte gibt es verschiedene Extraktionsverfahren. Zu den gängigsten zählen Extraktion mithilfe von CO2 oder Ethanol. Die extrahierten Wirkstoffe werden mit einem Trägeröl versetzt.

Eigenschaften und Anwendung von Extrakten

Die Verwendung von Cannabisextrakten bringt ebenfalls Vor- und Nachteile mit sich. Positiv hervorzuheben ist die im Vergleich zur Anwendung von Cannabisblüten genauere Dosierung, die durch standardisierte Wirkstoffgehalte ermöglicht wird.2 

Dies führt zu einer höheren Präzision und Konsistenz in der Behandlung. Des Weiteren weisen Extrakte in der Regel einen höheren Wirkstoffgehalt auf. Sie sind in vielfältigen Darreichungsformen wie Ölen, Kapseln oder Tinkturen erhältlich. Medizinische Cannabisextrakte können diskret und ohne Geruchsbelästigung angewendet werden, was für viele Patienten von Vorteil sein kann.

Auf der anderen Seite gibt es auch Nachteile, die bei der Verwendung von Cannabisextrakten in Betracht gezogen werden sollten. Durch bestimmte Verarbeitungsverfahren können die Wirkstoffe verändert werden, was möglicherweise die Effektivität oder das Wirkungsspektrum beeinträchtigt. Schließlich besteht bei einigen Patienten die Möglichkeit von allergischen Reaktionen auf Trägerstoffe oder Zusatzstoffe, die in den Extrakten enthalten sein können.

Ein gelbliches, öliges Extrakt, welches aus einer kleinen braunen Flasche in ein offenes Becherglas gekippt wird
Abb. 2: Cannabisextrakte sind immer mit einem Trägeröl versetzt, welches den Geschmack beeinflussen kann.

Vorteile von Extrakten

  • Genauere Dosierung im Vergleich zur Anwendung von Cannabisblüten
  • Höherer Wirkstoffgehalt kann erzielt werden
  • Vielfältige Darreichungsformen
  • Diskrete Anwendung

Nachteile

  • Verarbeitungsverfahren können Wirkstoffe verändern
  • Mögliche Allergien auf Trägeröle oder Zusatzstoffe

Vergleich der Wirkung und Nebenwirkungen

Die Wirkdauer von Medizinalcannabis kann je nach Darreichungsform variieren. Bei der Inhalation von Cannabisblüten tritt die Wirkung zwar schnell ein, hält jedoch in der Regel nur einige Stunden an. Bei der Verwendung von Cannabisextrakten, die beispielsweise als Öl oder Tinktur eingenommen werden, setzt die Wirkung langsamer ein, da das Extrakt erst über den Verdauungstrakt aufgenommen werden muss. Allerdings hält die Wirkung in der Regel länger an, oft mehrere Stunden oder sogar den ganzen Tag. Diese verlängerte Wirkdauer kann für Patienten, die eine dauerhafte Linderung ihrer Symptome benötigen, von Vorteil sein. Bei der Anwendung von Medizinalcannabis können potenzielle Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auftreten, was eine sorgfältige Abstimmung der Therapie erfordert.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sowohl Cannabisblüten als auch Cannabisextrakte ihre eigenen Vorteile haben und potenziellen Nebenwirkungen aufweisen. Während Cannabisblüten bei manchen Patienten eine stärkere und individuell angepasste Wirkung hervorrufen können, bieten Extrakte eine präzisere Dosierung und sind oft einfacher in der Handhabung. Die Nebenwirkungen beider Produkte sind ähnlich, wobei bei Extrakt-basierten Therapieansätzen weniger inhalative Risiken durch das Rauchen bestehen. Letztendlich sollten Patienten und Ärzte gemeinsam die beste Therapieoption in Abhängigkeit von der individuellen Situation, zugrundeliegenden Krankheitsbildern und persönlichen Vorlieben auswählen. Eine fundierte Entscheidung kann dazu beitragen, die Effektivität der Behandlung mit Medizinalcannabis zu maximieren und mögliche Nebenwirkungen zu minimieren.

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Kommentare

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Saman

May 17, 2023

Endlich mal auch etwas über Extrakte. Klar lasse ich mir Blüten verschreiben, aber man kann auch mit Extrakten seinen Spaß haben :) Sicherlich für Menschen mit Kostenübernahme attraktiver, aber ich rate es jedem, auch diese Seite der Therapiemedaille auszuprobieren.

silberhonig

May 18, 2023

Spaß? Ich habe Cluster-Kopfschmerzen... Mit "Spaßhaben" hat mein Konsum so gut wie gar nichts zu tun. Ich inhaliere morgens während ich die ersten Tropfen zu mir nehme; mir fehlen bestimmte Terpene aus den Extrakten definitiv und ich wäre so gerne soweit, vernünftige Vapes aufs Rezept zu haben. FÜr den Artikel Danke an die Kollegen!

Saman

May 19, 2023

Ich wollte Dir mit meiner Aussage natürlich nicht zu nahe treten und ich kann mir gut vorstellen, dass Deine Beschwerden extrem belastend sind. Trotzdem gibt es auch Patienten, deren Symptome den Alltag nicht so sehr beeinträchtigen.