Cannabinoidhaltige Arzneimittel werden immer häufiger zur Linderung von Symptomen bei Palliativpatienten eingesetzt. Diese Gruppe von Patienten erhält oftmals eine Polymedikation – sie nehmen neben Medizinalcannabis eine Kombination unterschiedlicher Medikamente ein, um ihre Beschwerden zu behandeln. Werden verschiedene Wirkstoffe gleichzeitig eingenommen, kann es zwischen ihnen zu Wechselwirkungen kommen.
Unter Polymedikation versteht man die gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente über einen längeren Zeitraum. Schätzungen zufolge nimmt etwa jeder vierte Bundesbürger permanent drei oder mehr Arzneimittel ein. Eine professionelle Beratung über mögliche Wechselwirkungen durch pharmazeutisches Fachpersonal oder den Arzt ist unumgänglich.
Abb. 1 Ein einfaches Beispiel für einen Fall für Polymedikation in der Praxis
Das Zentralinstitut (Zi) für die kassenärztlichen Versorgung schätzt die Zahl der Patienten, die eine Polymedikation erhalten, noch höher. Demnach erhielten 2021 19 % aller Patienten im Rahmen einer Arzneimitteltherapie in mindestens zwei Quartalen fünf oder mehr verschreibungspflichtige Wirkstoffe. Patienten über 65 Jahren sind besonders von dem Thema betroffen. Vor allem bei Neuverordnungen muss die Dauermedikation berücksichtigt werden.4
Medizinalcannabis und mögliche Wechselwirkungen bei Polymedikation: Welche gibt es?
Cannabis gilt als gut verträglich und nebenwirkungsarm. Dennoch beraten in der Cannabis Apotheke täglich 15 ApothekerInnen Ärzte und Patient*Innen hinsichtlich einer sicheren Versorgung mit Cannabis – gerne auch per Videotelefonie. Wenngleich potenzielle Wechselwirkungen nicht sofort ersichtlich sind, kann es durch die Verstoffwechselung von Cannabis-Wirkstoffen in der Leber zu Interaktionen mit anderen Medikamenten kommen.
Abb. 2 Vor allem ältere Patienten sind häufig von Polymedikation betroffen.
THC und CBD werden zu einem großen Teil über das Leberenzym CYP3A4 abgebaut. Nach der Anwendung von Cannabis wird der therapeutisch relevante Hauptwirkstoff THC relativ schnell wieder aus dem Körper ausgeschieden. Stoffwechselprodukte wie THC-COOH verbleiben dabei wesentlich länger im Blutplasma. Solche Metaboliten haben das Potenzial, die für die Verstoffwechselung von Arzneistoffen wichtige Leberenzyme zu hemmen.2
Was ist eine Wechselwirkung? Als Arzneimittelwechselwirkung bzw. Wechselwirkung bezeichnet man die gegenseitige Beeinflussung von Arzneimitteln bei gleichzeitiger Einnahme.
Cannabinoidtherapie bei Polymedikation: Interaktion mit Leberenzym
Um Wechselwirkungen zu vermeiden, haben Patienten die Möglichkeit, die Therapie langsam einzuschleichen und Auswirkungen genau zu beobachten. Zudem ist die passende Dosierung wichtig. Die wichtigsten Wechselwirkungen gehen auf den Abbau von THC und seinen Stoffwechselprodukten in der Leber durch ein bestimmtes Leberenzym zurück. Dieses Enzym CYP3A4 spielt zudem eine Rolle bei der Verstoffwechselung von Arzneimitteln. Wird seine Produktion durch die Einnahme bestimmter Medikamente verändert, kann es Auswirkungen auf die Blutplasma-Konzentration des psychoaktiven Wirkstoffes haben.
Abb. 3 Arzneimittel werden über bestimmte Leberenzyme verstoffwechselt, wodurch sie sich gegenseitig beeinflussen können.
Immunsuppressiva oder Blutgerinnungshemmer könnten davon besonders betroffen sein. Diese Arzneistoffe werden ebenfalls über CYP3A4 verstoffwechselt und könnten in ihrer Wirkung entsprechend verstärkt werden, falls das Enzym bereits für den Abbau von Cannabis-Wirkstoffen benötigt wird. Darüber hinaus ist auch das Leberenzym CYP2C9 an der Metabolisierung von THC beteiligt.3
Eine pharmakokinetische Studie ergab, dass der Arzneistoff und CYP3A4-Inhibitor Ketoconazol die THC- und Cannabidiolkonzentrationen nahezu verdoppelte. Ähnliche Wechselwirkungen mit anderen CYP3A4-Inhibitoren wie bestimmte Antibiotika oder Calciumkanalblocker sind denkbar, was die psychoaktive Wirkung von THC verstärken könnte.5,6
Medizinalcannabis als Ergänzung bei Polymedikation: Die beste Vorsorge ist Beratung
Umso wichtiger ist fachgerechte Beratung durch geschulte Fachkräfte.
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Mögliche Wechselwirkungen mit Arzneimitteln, die die Blutgerinnung beeinflussen, Benzodiazepine, oder Substanzen, die das Zentralnervensystem beeinflussen, sollten nicht unterschätzt werden. Darüber hinaus sollten Patienten über mögliche verstärkte Cannabinoid-Effekte bei gleichzeitiger Einnahme von CYP3A4- und 2C9-Inhibitoren informiert werden.1,5
Die Wechselwirkungen im Rahmen einer Polymedikation können verschieden sein:
Erhöhte oder verminderte Wirkung des Medikaments
Neue oder verstärkte Nebenwirkungen
Verschlechterung der Grunderkrankung
Notfallsituationen
Richtig eingesetzt, kann Medizinalcannabis für Patienten eine wirksame Therapieoption sein und dabei helfen, die Einnahme von Opioiden mit zum Teil schwerwiegenden Nebenwirkungen zu reduzieren, oder sie ganz abzusetzen.
In einer kanadischen Studie wurden 1145 Cannabis-Patienten sechs Monate lang beobachtet. Dabei konnte die Anzahl der Patienten, die gleichzeitig Opioide einnahmen, signifikant von 28% auf 11% reduziert werden. Zudem wurde eine Dosisreduktion um 78% festgestellt – von 152 mg auf 32,2 mg.7
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1 MacCallum CA, Russo EB. Practical considerations in medical cannabis administration and dosing. Eur J Intern Med. 2018;49:12–9. doi:10.1016/j.ejim.2018.01.004
Die Nutz- und Heilpflanze Hanf (Cannabis) wird von uns Menschen aufgrund ihrer Vielseitigkeit bereits seit mindestens 10.000 Jahren genutzt. Hinweise deuten darauf hin, dass Cannabis aufgrund des medizinischen Potenzials bereits seit der Antike verwendet wurde. Ehe es im 20. Jahrhundert nicht zuletzt aufgrund wirtschaftlicher Interessen als Rauschmittel abgestempelt und verboten wurde, galt Cannabis gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Europa und Amerika noch als anerkanntes Heilmittel. Heutzutage wird die Behandlung mit Cannabinoiden auf der ganzen Welt wieder immer beliebter.
Cannabis Tee Zubereiten: Diese Zwei einfachen Methoden funktionieren!
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Um die Cannabinoide aus der Cannabispflanze zu extrahieren werden bei den in Deutschland
erhältlichen Cannabisextrakten zwei verschieden Verfahren genutzt: Die CO2- und die
Ethanolextraktion. Im Folgenden werden beide Verfahren erklärt.
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